Aus Kitzingen:

Fluchtursachen bekämpfen – Vortrag von Dr. Reinhard Erös in Kitzingen

Dr. Reinhard Erös
Foto: Christa Büttner
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Dr. Reinhard Erös, Gründer der Kinderhilfe Afghanistan, war auf Einladung des Ortsverbandes von Bündnis90/Die Grünen zu einem Multimedia-Vortrag in Kitzingen. Vor zahlreichen Zuhörern zeigte er auf, wie in Afghanistan effektive Hilfe möglich ist

Vorstandsmitglied Christa Büttner von den Kitzinger Grünen wies bei der Vorstellung darauf hin, daß Annette und Dr. Reinhard Erös für ihre Arbeit bereits mehrere hohe Auszeichnungen in Deutschland und in Afghanistan erhalten haben.

Wie Dr. Erös berichtete, wurden seit 1998 bisher mehr als zwei Dutzend Friedensschulen, Waisenhäuser, Werkstätten, Berufsschulen, Computerausbildungszentren und Basis-Gesundheitsstationen gebaut und ausgestattet. Die Kinderhilfe Afghanistan bezahlt den ungefähr 1.500 afghanischen Mitarbeitern ein regelmäßiges Gehalt. In Deutschland werden keine hauptamtlichen oder bezahlten Mitarbeiter beschäftigt. Wie er weiter erklärte, sind in Afghanistan 50 % der Bevölkerung unter 18 Jahren. Statt Rüstungsgüter zu verkaufen sollte Deutschland besser Schulen bauen. Katastrophal sei es auch, das 50 % der geleisteten Entwicklungshilfe in der Korruption verschwinden. Das wurde durch Untersuchungen von Transparency International festgestellt. Wesentlich effektiver sei da das Geld, das im Ausland arbeitende Afghanen in ihre Heimat schickten.

Die mit Abstand beste Form der Armutsbekämpfung ist der Bau von Schulen, vor allem für Mädchen. So wurde von Familie Erös die Deutsch-Afghanische Friedensuniversität Laghmann errichtet, unter anderem mit den Fakultäten Landwirtschaft und Journalismus. Und das mitten im ehemaligen Talibangebiet.

Anschließend nahm Dr. Erös zu einem der größten Kriegsverbrechen seit Bestehen der Nato Stellung: ein Friedensnobelpreisträger bombardiert einen anderen Friedensnobelpreisträger. Es ist jetzt einige Wochen her, da wurde von der US-Armee ( Oberbefehlshaber: Präsident Obama, Friedensnobelpreisträger) eine Klinik von Ärzte ohne Grenzen ( ebenfalls Träger des Friedensnobelpreises) bombardiert. Er prangerte an, das die Öffentlichkeit sich darüber viel zu wenig empört. Erös selber ist aus der Bundeswehr ausgetreten, als 2001 Bundeskanzler Schröder dem US-Präsidenten Bush seine uneingeschränkte Solidarität in Kampf gegen den Terrorismus zugesichert hat.

In der Zwischenzeit hat Reinhard Erös mehr als 3000 Vorträge gehalten, vor insgesamt über 120 000 Schülern. Bei der hiesigen Veranstaltung waren auch einige gefüchtete afghanische Frauen anwesend, die derzeit in Corlette Circle wohnen. Ein seit fünf Jahren hier lebender afghanischer Mechatroniker bot bei der anschließenden Diskussion Dr. Erös spontan seine Mithilfe an. Zum Abschluß wünschte Kreisrätin Dr. Gisela Kramer-Grünwald Dr. Erös für seine weitere Arbeit viel Erfolg.

Foto: Christa Büttner

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