Aus Kitzingen:

Fremd: Realität schlägt Vorstellung

Betretene Gesichter bei den Zuschauern des Films „Fremd“ , den die Landtagsfraktion sowie der Kreisverband von Bündnis90/Die Grünen den Zuschauern im Richthofen-Circle präsentierten. Das die Flucht von Afrika nach Europa kein Kinderspiel ist, war wohl jedem der Anwesenden vorher klar. Das die Realität aber die Vorstellungen um ein vielfaches übertrifft, war sicher für die meisten neu.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Kerstin Celina, sozialpolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, die Gäste. Eigentlich sollte sie auch den Abend moderieren, musste aber zur konstituierenden Sitzung des Gemeinderats von Kürnach, dem sie angehört. So übernahmen Neu-Kreisrätin Angela Hufnagel und Vorstandssprecher Heiner Schmidt diese Aufgabe. Ebenfalls anwesend war Miriam Fassbender, die Regisseurin des Films. Sie stand dem Publikum im Anschluss an den Film Rede und Antwort.

Im Film werden Realitäten dargestellt, die viele so nicht vermutet hatten. So dauert eine Flucht häufig nicht einige Monate, sondern oft, wie im gezeigten Fall, mehrere Jahre. Immer wieder werden die Flüchtenden erwischt und in die Herkunftsländer zurückgebracht. Dort wieder angekommen suchen sie sich erneut Schlepper, die eine erneute Flucht organisieren. In der Zwischenzeit versucht der Flüchtende, an Geld zu kommen, oftmals gleichgültig ob legal oder illegal. Der Zweck heiligt hier die Mittel.

Hintere Reihe v.l.n.r. Kreisrätin Dr. Gisela Grünwald, Kreisrätin Angela Hufnagel, Vorstandssprecher Heiner Schmidt Vordere Reihe v.l.n.r. MdL Kerstin Celina, regisseurin Miriam Fassbender, Kreisrätin Christa Büttner Foto: Hufnagel

Hintere Reihe v.l.n.r. Kreisrätin Dr. Gisela Grünwald, Kreisrätin Angela Hufnagel, Vorstandssprecher Heiner Schmidt
Vordere Reihe v.l.n.r.
MdL Kerstin Celina, Regisseurin Miriam Fassbender, Kreisrätin Christa Büttner Foto: Hufnagel

Auch ist der Erwartungsdruck, dem die Flüchtlinge ausgesetzt sind, ist enorm hoch. Sie werden ja von der Familie quasi auserkoren, derjenige zu sein, der nach Europa „darf“. Dafür erwartet die Familie als Ausgleich finanzielle Unterstützung. Das hat zur Folge, das so mancher Flüchtling, dem die psychischen und physischen Qualen der Flucht zu groß werden, sich nicht mehr in sein Heimatdorf zurück traut. Sie leben dann mehr oder weniger als Außenseiter im eigenen Land.

Während der anschließenden Diskussion gab  Miriam Fassbender Auskunft, wie sich die Dreharbeiten gestalteten. So erzählte sie beispielsweise, dass sie den Verantwortlichen für den Ton entlassen musste, weil er dem emotionalen Druck nicht gewachsen war. Auch mussten die Dreharbeiten immer wieder unterbrochen werden, weil die Belastungen und Strapazen für die Crew zu viel wurden. Zu den beiden Protagonisten des Films hat Miriam Fassbender noch Kontakt. Einer lebt heute in Europa, der andere musste mehrere Fluchtversuche abbrechen und lebt weiterhin im Mali. Er hat im Prinzip einen Teil seiner besten Jahre mit erfolglosen Fluchtversuchen vertan.

Zu Ihren weiteren Plänen wollte sich Miriam Fassbender noch nicht konkret äußern, das Thema Flucht wird aber weiterhin eine große Rolle bei ihren Arbeiten spielen. Zudem hat sich gerade ein Buch zum Film geschrieben. Es ist unter dem Titel „2850 Kilometer – Tagebuch einer Flucht“ vor einer Woche erschienen.

Weitere Informationen zum Film unter www.foreign-documentary.com

Infos zum Buch hier.

Beitragsbild: Film „Fremd“

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