Aus Kitzingen:

Kampf mit den Behörden

Seit Gründonnerstag dieses Jahres leben einige somalische Asylsuchende in Wiesentheid. Bereits vor deren Ankunft formierte sich eine kleiner Kreis engagierter Bürger, um den Neuankömmlingen Starthilfe sowie Hilfe im Alttag zuteil werden zu lassen.

Wie sich nach der Ankunft herausstellt, ist einer der jungen Asylsuchenden, nennen wir ihn Mesut, verheiratet, allerdings während seiner Flucht von Frau und Kind getrennt worden. Wie sich herausstellte waren die beiden im niedersächsischen Walsrode als Asylsuchende registriert.

Da das Kind schwer krank war bemühten sich die Helfer um eine schnelle Familienzusammenführung. Leichter gesagt als getan.

Zunächst wurde, gemeinsam mit Mesut, ein handschriftlicher Antrag an das Landratsamt Kitzingen gestellt, den dieses an die „Rückführungsstelle“ nach Würzburg weiterleitete.
Einige Zeit später kommt aus Niedersachsen die Aufforderung von der dort ansässigen Landesaufnahmestelle, man möge die Heirats- und die Geburtsurkunden vorlegen. Diese hat Mesut natürlich nicht.

Also Anruf bei der zuständigen Behörde. Nach Auskunft der dortigen Bearbeiterin gibt es ohne diese Papiere keine Familienzusammenführung „da könne ja schließlich jeder kommen“.

Weitere Recherche der Helfer in Wiesentheid. Somalia hat seit Jahren keine funktionierende Verwaltung mehr, unmöglich daher also die benötigten Papiere zu bekommen. Dieser Weg ist hier zu Ende.

Kreisrätin Angela Hufnagel vom Helferkreis mit dem mittlerweile in Walsrode lebenden Asylsuchenden Foto: Angela Dürner

Kreisrätin Angela Hufnagel vom Helferkreis mit dem mittlerweile in Walsrode lebenden Asylsuchenden
Foto: Angela Dürner

Aufgeben ist aber nicht jedermanns Sache. Auch die Helfer aus Wiesentheid probieren es weiter. Man telefoniert viel herum, unter anderem auch mit „Pro Asyl“ Hier bekommt man gute Informationen und Ratschläge. Der Wichtigste: Man braucht juristischen Beistand. Aber: Juristen kosten Geld. Und das hat man nicht.

Aber hier haben die Helfer Glück. Es findest sich in Schweinfurt ein Anwalt, der kostenlos berät. Er gibt den Helfern den Rat, Mesuts Ehe durch einen Notar beglaubigen zu lassen. Da sich Mesut zu diesem Zeitpunkt zu Besuch bei seiner Ehefrau in Walsrode befindet, nehmen die Helfer Kontakt zu zuständigen Sozialarbeiter der Ehefrau in Walsrode auf. Dieser veranlasst einen Notartermin mit Mesut und seiner Frau. Als Mesut nach Wiesentheid zurückkehrt hat der die erforderliche Urkunde des Notars dabei. Der Notar verlangt nur 40 Euro Gebühren.

Mesut bringt auch Krankenberichte seines Kindes mit. Zusammen mit der notariell beglaubigten Urkunde stellen die Helfer nochmals einen Antrag auf Familienzusammenführung – und siehe da – zwei Wochen später wird dem Antrag entsprochen.

Mitte Juni feiern die Wiesentheider Helfer gemeinsam mit den anderen Asylsuchenden aus Wiesentheid eine Abschiedparty für Mesut. Er lebt jetzt mit Frau und Kind im niedersächsischen Walsrode.

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