Aus Kitzingen:

Das Einhorn  – oder die Cordon Blue Roulade

Rinderroulade mit Kloß

Unsere Redaktion trifft sich schon wieder zu einem kleinen Arbeitsessen in der Stadt. Ich hatte gehört, dass die Gaststätte Einhorn  über einfache und funktionale Fremdenzimmer verfügt und dass die Wirtsleute sehr freundlich und zuvorkommend sind. Ein brauchbares Konzept für Besucher mit kleinem Budget. Ein guter Grund auch das Restaurant zu testen, zumal es gut in unsere Gastrokritikreihe passt. Wir testen gut bürgerlich, fränkisch und Mittagstische.

Von außen macht das Lokal einen wirklich  gastfreundlichen Eindruck. Für Raucher oder einfach nur so, gibt es eine Bank vor der Tür. Alles signalisiert: Du bist willkommen! Wir betreten die kleine Gaststube. Die Tische dort sind schon besetzt, also gehen wir in den hinteren Teil, der ganz gemütlich ist. Ohne viel Firlefanz ist es stilgerecht eingerichtet. Natürlich muss man das mögen. Uns gefällt es.

Gaststube des Einhorns

Gaststube des Einhorns

Die Getränkekarte ist unspektakulär, aber es gibt Kitzinger Weine. Wir bestellen Silvaner und Spezi. Andreas und ich hatten schon von vornherein die Rinderroulade mit Rotkohl und Klößen in Betracht gezogen. Alex kann sich überhaupt nicht entscheiden. Dann werfe ich ein, dass auf der Tafel draußen noch Leber mit Bratkartoffeln angeboten wird. Die Getränke werden von der Chefin gebracht und wir bestellen. Leider müssen wir erfahren, dass es nur noch eine und eine halbe Portion der Rindsroulade gibt. Andreas denkt angestrengt nach. Die Wirtin schlägt ein Cordon Blue vor. Es steht nicht auf der Karte, aber der Koch könnte es zubereiten.  Andreas willigt ein.

Die weißen gestärkten Tischdecken gefallen

Die weißen gestärkten Tischdecken gefallen

Schon nach kurzer Zeit kommt der Salat. Der ist wirklich klasse. Alles frisch gemacht. Der  kleine Beilagensalat ist in der gut bürgerlichen Küche normalerweise das Sorgenkind. Wie präsentiert man einen Salat auf einem kleinen Teller oder einer Miniglasschale. Einer Herausforderung, der sich der Koch des Einhorns gestellt hat und sie hervorragend gemeistert hat. Die beiden Herren sind zufrieden. Ich bekomme ja Rotkohl und gucke etwas neidisch.

Der wunderbare Salat im Einhorn

Der wunderbare Salat im Einhorn

Nach einer Weile kommt das Essen. Als ich das Cordon Blue sehe, muss ich mir ein lautes Lachen verkneifen. Sollte der Koch mit einer humoristischen Geste  dieses Stück paniertes Fleisch zubereitet haben? Quasi als Entschädigung  für die Roulade? Wir wissen es nicht. Die Pommes Frites sehen nicht so toll aus. Sie schmecken auch eher durchschnittlich. Positiv ist, dass Ketchup und Mayo in kleinen Glasschälchen serviert werden.

Die Cordon Blue Roulade

Die Cordon Blue Roulade

Etwas enttäuscht schaut Alex die Leber an. Hatte er nach dem feinen Salat die besten Vorstellungen von seiner  Schweineleber.  Leider ist sie klein geschnitten und mit viel Zwiebel. Für Alex viel zu viel Zwiebel. Insgesamt ist ihm das Essen zu fett.

Geschnetzelte Bratkartoffeln an Leberstücken

Geschnetzelte Bratkartoffel an Leberstücken

Nun, es sieht auch nicht wirklich toll aus. Kommen wir jetzt zu der Rinderroulade, mit 10,50 Euro dem kostenintensivsten Gericht heute. Hübsch ist es nicht. Das Fleisch ist mürbe und innen sehe ich das Gemetzel des Kochs. Er scheint ein notorischer Kleinschneider zu sein. Auch das Innenleben der Cordon Blue Roulade ist klein gemacht. Das ist gut gemeint, allerdings sieht es nicht schön aus. Meine Soße ist dickflüssig. Ein wenig zu viel reduziert. Der Kloß und das Rotkraut sind weder schlecht noch besonders gut.

Eigentlich sind wir satt, aber ich verurteile alle zu einem gemeinsamen Pfannkuchen. Ich bestelle einen mit Zimt, Zucker und Schlagsahne.

Pfannkuchen im Einhorn

Pfannkuchen im Einhorn

Puh….der ist riesig. Ein Mensch allein kann das doch gar nicht essen. Der Pfannkuchen schmeckt hausgemacht, entspricht aber nicht ganz unseren Vorstellungen. Erinnert zu sehr an einen nicht gelungenen Biskuitteig. Aber das ist Geschmackssache. Das Preisleistungsverhältnis mit 3 Euro gut.

Insgesamt ist das Essen einfach zu feist. Als Mittagstisch unterhalb der Woche muss man es vertragen können, oder genügend Zeit für einen Mittagsschlaf mitbringen. Auch die Speisen wirken sehr „wie zu Hause“. Die Speisen sind nicht wirklich was fürs Auge. Der Salatteller allerdings ist optisch und geschmacklich der Hammer. Das Ambiente insgesamt ist gastlich und alle sind einfach nur nett und  es gibt einen handschriftlichen Bewirtungsbeleg.

Getestet wurde das Gasthaus Zum Einhorn in der Schrannenstraße 20 in Kitzingen.

Weitere Gastronomiekritiken finden Sie hier.

 

Autor

Beate Kesper, Diplom Braumeisterin, studierte Brauerei- und Getränketechnologie in Berlin und München. Sie ist gelernte Brauerin und Mälzerin und über Umwege in ein “fachfremdes” Betätigungsfeld geraten: Sie ist Buchautorin, Bloggerin, Mitgründerin und Chefredakteurin der freien Onlinezeitung Mein Kitzingen.de. Seit 2012 ist sie Vorstandsvorsitzende der gemeinnützigen Stiftung für Erziehung, Bildung, Wissenschaft und Kultur (EBWK), die sich primär auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung engagiert. In Kitzingen hat sie die Psychosoziale-Beratungsstelle der EBWK ins Leben gerufen. Sie ist im Vorstand der Vereins 42e.V., der sich für politische Bildung in der neuen digitalen Gesellschaft einsetzt. Als engagierte Verfechterin für Bürgerrechte und Transparenz sieht sie es als fast logische Konsequenz eine freie Plattform für Bürger auf kommunaler Ebene zu schaffen. Kitzingen ist seit fast 12 Jahren ihre Wahlheimat, für die sie sich engagieren möchte.

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