Aus Kitzingen:

Nach der Charité auch Streik der Pflegekräfte in Kitzingen?

Megaphon

Markus Oppel ist wohl der bekannteste Aktivist in Kitzingen. Schon länger engagiert er sich für die Pflege am Boden über die meinkitzingen.de regelmäßig berichtete. Da sich Markus Oppel auch bundesweit vernetzt hat, ist er bestens über alle Aktionen, die mit der Pflege zusammenhängen informiert. Er hat uns über die Ereignisse der kommenden Woche aufgeklärt. Eine Wende im Kampf  gegen den Pflegenotstand nannte er die gerichtliche Genehmigung des Streiks des Arbeitsgerichts in Berlin. Eine Legitimation, die andere ermuntert auch für bessere Bedingungen zu kämpfen. Ver.di fordert in der Pflege mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen. Es geht hier nicht nur einfach um höhere Löhne.

„Die unternehmerische Freiheit hört da auf, wo der Gesundheitsschutz für die Beschäftigten anfängt.“

Mit diesem Satz bestätigte der Richter die Rechtsauffassung von ver.di.

Mit diesem Satz – und dem Zusatz das weder die Forderung nach mehr Personal, noch bessere Arbeitsbedingungen gegen geltendes Recht verstoßen – wurde der Weg frei gemacht für eine Streikwelle in der Pflege, die durch Deutschland rollen wird!

So Markus Oppel. Aber von der eigenen Gesundheit mal abgesehen, geht es den Pflegekräften um viel mehr.

Wir Pflegekräfte agieren schon immer als Anwälte der Pflegebedürftigen und Kranken und sehen einfach keine andere Möglichkeit mehr, den Schutz und die menschenwürdige Pflege anders, als durch mehr Personal – das nun leider erstreikt werden muss – zu gewährleisten!

Gern würde man den engagierten Pfleger für diese Worte in den Arm nehmen.

Aber was passiert denn, wenn in einem Krankenhaus gestreikt wird? Bestimmt geht das einigen, die im Moment auf Pflege angewiesen sind durch den Kopf. In der Charité ist kein Leben bedroht. Im Gegenteil: Oftmals ist es – auch an der Charité  so, dass die ausgeknobelte Notbesetzung höher ist, als die tatsächliche Besetzung. Außerdem verfügt Berlin über ausreichend Krankenhäuser, die als Vertretung fungieren.

Der angekündigte Streik wird wohl der massivste Krankenhausstreik in Deutschland sein. 1000 Operationen wurden abgesagt. Als es im April die ersten Warnstreiks gab, war der Schaden mit über 500.000 € pro Tag beziffert worden. Nur der wirtschaftliche Schaden ist das Druckmittel.

Wenn niemand etwas spürt – wird sich nichts ändern!

Es werden keine Patienten als Unterpfand genommen. Ebenfalls wird die die Notaufnahme nicht bestreikt und die Stationen die bestreikt werden und auf „Notbesetzung“ arbeiten, haben Betten gesperrt. Damit bleibt die „Qualität“ der Versorgung gleich. Das Krankenhaus wir nur „kleiner“ gemacht. Das ist der Plan und so wird es dann, sollte es zu bundesweiten Streiks kommen, ablaufen.

Der Funke Charité wird sich wie ein Flächenbrand auf ganz Deutschland ausbreiten und auch vor der Klinik Kitzinger Land nicht Halt machen! Wir können uns gerne ein Streik Szenario für Kitzingen ausdenken – und es wird kommen und auch hier bei uns beginnen – da wird es schwierig in die anderen chronisch unterbesetzten und überbelegten Kliniken in Ochsenfurt und Würzburg auszuweiten…

Mit diesen Worten zeigt der Pfleger, dass alles wohl überlegt sein will, und keiner einfach drauflos streikt.

Eine andere Aktion wird am Mittwoch den 24.06. um 13:00 Uhr am Kitzinger Krankenhaus stattfinden.

Der Name der Aktion ist 162.000. Denn genau so viele Pflegekräfte fehlen laut ver.di in Deutschland, um ein menschenwürdiges Pflegen zu ermöglichen. Und um 13:00 Uhr, weil es 13 schlägt. Susanne Neubauer von ver.di wird die Veranstaltung in Kitzingen begleiten. Unterstützt wird die Aktion auch von der Geschäftsführung hier in Kitzingen.

Jetzt brauchen wir die Solidarität der Bevölkerung und der Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege – übrigens darf jeder am Mittwoch um 13 Uhr vor „seiner“ nächstgelegenen Klinik mitmachen und für mehr Personal im Krankenhaus mit demonstrieren!

Markus Oppel ist ganz zuversichtlich, den ab dem nächsten Jahr werden die drei verschiedenen Pflegeausbildungen (Krankenpflege, Altenpflege, Kinderkrankenpflege) abgeschafft und durch die Ausbildung zur Pflegefachfrau/Pflegefachmann ersetzt. Dann darf und kann man mit jeder Ausbildung überall arbeiten. Spätestens dann wird die Pflege – vielleicht auch durch eine noch zu schaffende Pflegekammer – eine Einheit sein. Und vielleicht wird der Kampf dadurch organisierter und mächtiger sein.

Der Streik hat heute in der Charité Berlin begonnen.

Autor

Beate Kesper, Diplom Braumeisterin, studierte Brauerei- und Getränketechnologie in Berlin und München. Sie ist gelernte Brauerin und Mälzerin und über Umwege in ein “fachfremdes” Betätigungsfeld geraten: Sie ist Buchautorin, Bloggerin, Mitgründerin und Chefredakteurin der freien Onlinezeitung Mein Kitzingen.de. Seit 2012 ist sie Vorstandsvorsitzende der gemeinnützigen Stiftung für Erziehung, Bildung, Wissenschaft und Kultur (EBWK), die sich primär auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung engagiert. In Kitzingen hat sie die Psychosoziale-Beratungsstelle der EBWK ins Leben gerufen. Sie ist im Vorstand der Vereins 42e.V., der sich für politische Bildung in der neuen digitalen Gesellschaft einsetzt. Als engagierte Verfechterin für Bürgerrechte und Transparenz sieht sie es als fast logische Konsequenz eine freie Plattform für Bürger auf kommunaler Ebene zu schaffen. Kitzingen ist seit fast 12 Jahren ihre Wahlheimat, für die sie sich engagieren möchte.

2 Kommentare

  1. Die Unterstützung der gesamten Bevölkerung ist wichtig, denn jeder von uns wird einmal – mehr oder weniger – Pflege benötigen. Viele Menschen haben als Betroffene oder Angehörige einen unmittelbaren Eindruck über die Menschenwürde verletzenden Zustände durch Personalmangel. Zwischen 600.000 und 900.000 Menschen erkranken jährlich an im Krankenhaus erworbenen Infektionen. 20.000 bis 40.000 Menschen sterben daran.

    Und wenn dann die Berichte kommen, dass Patienten unter dem Streik leiden, gilt folgendes:
    „Menschen werden nicht unterversorgt, weil Pflegende streiken. –
    Pflegende streiken, weil Menschen unterversorgt werden!“
    Das ist das Gegenmittel zu dieser Spaltung Pflegende gegen Gepflegte. Es werden längst Menschen unterversorgt, sonst hätte der Papst wegen der schlechten Versorgung alter Menschen im September 2014 nicht von „schleichender Euthanasie“ gesprochen*. Und sonst würde der Sozialverband VdK Bayern auch keine Klage beim Bundesverfassungsgericht anstrengen.
    (zu * (BR Rundschau vom 28.09.2014 – https://www.dropbox.com/s/drcrcx3sdht3wdt/2014-09-28_Papst_Vernachlaessigung-ist-heimliche-Euthanasie.mp4?dl=0)

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