Aus Kitzingen:

Andreas Kümmert begeistert bei Live-Konzert

 

Ein unscheinbarer Mann im dunklen Sweatshirt betritt die Bühne, die ersten Klänge der Gitarre sind zu hören und dann beginnt er zu singen. Vom ersten Ton an ist zu spüren, dass hier ein ganz großes Talent den Weg nach Wiesentheid gefunden hat.

Andreas Kümmert war den meisten Besuchern aus dem Fernsehen bekannt. Nach dem Sieg der dritten Staffel der Castingshow „Voice of Germany“ standen dem 29-Jährigen alle Möglichkeiten einer großen Karriere offen. Trotzdem zog er eine alte Scheune der großen Bühne vor. 180 Besucher saßen und standen dicht gedrängt um den Musiker und lauschten Blues-Klassikern, Songs von Eric Clapton und auch seinen eigenen Liedern. Dabei erwies sich Kümmert bei Songs wie „Heart of stone” als echte Rockröhre, bei ruhigeren Titeln wie „Easy“ beherrschte er aber auch die leisen Töne. Bei seinem vielleicht schönsten Song „Home is in my hands“ laufen im einprägsamen Refrain Singstimme und Gitarre parallel. Faszinierend ist die Variationsbreite des Musikers. Manche Töne schmettert er in das Gebälk, andere werden gerade vernehmbar gehaucht.

Geplant war ein Konzert im Keller eines alten Bauernhauses, in dem jährlich ungefähr 10 Konzerte stattfinden. Nachdem der Termin mit Andreas Kümmert ausgemacht war, hat Veranstalter Andreas Liebald das Konzert über seinen E-Mail-Verteiler angekündigt. Schon nach wenigen Tagen war klar, dass der Konzertkeller nicht ausreichen würde. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in Wiesentheid und Umgebung. Sicherlich spielte nicht nur das Talent, sondern auch der Promifaktor eine wichtige Rolle bei dem großen Interesse. Also wurde die Scheune ausgeräumt, alte Kirchenbänke aufgestellt, Stühle herbeigeholt, eine Bühne aufgebaut und Lichter installiert. Es war der ideale Rahmen für einen Musiker, dem es um seine Musik geht und nicht um die große Show.

Leidenschaft beim Singen spürt man bei Andreas Kümmert Foto: Andreas Liebald

Leidenschaft beim Singen spürt man bei Andreas Kümmert
Foto: Andreas Liebald

Alles war vorbereitet, trotzdem blieb die bange Frage von vielen Gästen: Kommt er oder kommt er nicht? Immer wieder soll es kurzfristige Absagen gegeben haben. Die Befürchtungen waren jedoch unbegründet. Er kam, machte einen kurzen Soundcheck und zog sich wieder zurück. Smalltalk ist nicht seine Sache, die große Öffentlichkeit auch nicht. Auf der kleinen Bühne ist er aber ganz bei sich.

Beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest traten im März 2015 acht Bands gegeneinander an. Sieben Hochglanzmusiker im ausgefeilten Outfit mit einer durchdachten Bühnenshow auf der einen Seite und Andreas Kümmert auf der anderen Seite. Seinen überwältigenden Sieg muss man als großes Kompliment an die deutschen Fernsehzuschauer werten. Die Abstimmung war ein Sieg der Musik gegen die Show, ein Triumph von Talent und Leidenschaft gegen Disziplin und Mittelmäßigkeit.

Die Frage, ob er jemals Gesangsunterricht erhielt, verneint er. Er orientiere sich an anderen Sängern, höre genau hin und lerne dazu. Der Gemündener lässt sich aber nicht nur auf sein stimmliches Talent reduzieren. In Wiesentheid bearbeitete er meisterhaft seine akustische Gitarre, er spielt noch mehrere andere Instrumente und schreibt wunderbare Lieder. Man konnte einen Künstler erleben, bei dem Begriffe wie Echtheit oder Authentizität noch zutreffen. Das Outfit von Kümmert ist genauso unauffällig wie seine Bühnenmoderation. Kein Glamour, kein Lack, aber unverfälschte Musik.

Das Durchschnittsalter des Publikums lag wohl um die 50 Jahre, aber auch die Jugend hörte konzentriert zu, summte manchmal bekannte Melodien mit und spendete nach jedem Lied großen Beifall. Kurz nach 22 Uhr kam dann die letzte Zugabe. Bei dem Lied Halleluja von Leonard Cohen kehrte fast so etwas wie Ehrfurcht ein, was vielleicht an den Kirchenbänken lag. Nach dem letzten Lied entlud sich die Spannung in Standing Ovations. Viele Gäste umringten noch den Musiker, baten um ein Autogramm oder machten ein Selfie. Vor dem Heimweg bedankten sich viele Gäste beim Künstler und beim Veranstalter für einen wunderbaren Abend. Auch Andreas Kümmert hat der Abend gut gefallen. Er war da angekommen, wo er sich am wohlsten fühlt.

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